Archiv für November, 2011

Kurztest – Garmin Forerunner 310XT

27. November 2011

Hobbyläufer, die mit einer GPS-Uhr durch den Stadtpark oder durch Wälder und Wiesen rennen, werden gerne mal belächelt. Für mich ist das GPS allerdings eine tolle Methode, um nicht nur die Geschwindigkeit und viele weitere Faktoren des Laufs zu messen, sondern vor allem auch, um mir die gelaufenen Strecken am Rechner anzuschauen. Der eigene Track in Google-Earth dargestellt, ist eine super Motivation und ganz nebenbei lassen sich so auch neue Strecken finden oder alte optimieren.

Seit einigen Jahren schmückt daher der Forerunner 305 von Garmin mein Läufer-Handgelenk. Die Uhr hat allerdings einige Schwächen, wie z. B. die geringe Akkulaufzeit, die fehlende Wasserdichtigkeit sowie eine langsame Satellitenerfassung beim Einschalten. Durch einen Defekt (Ausfall der Hertzfrequenzmessung) bekam ich nun die Gelegenheit auf den Nachfolger, die Garmin 310XT upzudaten.

Garmin 310Xt 1-1Garmin 310Xt 2Garmin 310Xt 3

Garmin 310XT – Äußerlichkeiten
Als erstes fällt das neue Design der Uhr ins Auge. Insgesamt ist die 310XT immer noch recht groß, wirkt aber lange nicht mehr so klobig wie ihr Vorgänger. Die Farbkombination grau/orange/silber gefällt mir sehr gut und auch die Verarbeitung macht einen hochwertigen Eindruck. Durch das komplett verschweißte Gehäuse ist ein Wechsel des Akkus, wie schon beim Vorgänger, nicht möglich. Immerhin ist das gute Stück jetzt endlich wasserdicht und kann somit auch bedenkenlos mit unter die Dusche genommen werden. Das Armand macht einen guten Eindruck und auch wenn der Verschluss mit dem Doppeldorn etwas hakelig aussieht – in der Praxis funktioniert das Anlegen einwandfrei. Pfiffiges Detail. Die Gummischlaufe, die das überschüssige Armband aufnimmt, wird durch zwei kleine “Nippel” in Position gehalten. Ein abstehendes Armband gehört damit der Vergangenheit an.

Bedienung
Gleich beim ersten Einschalten überrascht die Uhr mit der neuen Vibrations-Funktion. Der manchmal schwer zu hörende Piepston wird durch die Vibration gut ergänzt und gerade bei Läufen mit vielen Teilnehmern, bei denen es um einen herum ständig piept und summt, macht diese Funktion durchaus Sinn.

Die Ortung der Satelliten geht mittel HotFix™deutlich schneller als beim Vorgänger von statten. GPS-Ausfälle im Wald oder in Straßenschluchten waren schon bei der 305er äußerst selten und blieben mir bisher auch bei der 310XT erspart.

Die Benutzeroberfläche wurde ebenfalls leicht überarbeitet. Besitzer der 305 müssen sich hier etwas umgewöhnen. Wer vorher noch keine Garmin Laufuhr hatte, wird mit der überarbeiteten Menüstruktur keine Probleme haben.

Akkulaufzeit
20 Stunden Akkulaufzeit gibt der Hersteller an. Das ist schon ein ganz ordentlicher Wert, um auch einen langen Ultra-Lauf von 100 oder mehr Kilometern locker zu überstehen. In den meisten Fällen dürfte dem Läufer der Saft wohl zuerst ausgehen.
Aufgeladen wird der Akku übrigens mittels Lade-Clip, der wie eine überdimensionale Wäscheklammer an der Uhr befestigt wird.

Hertzfrequenzmessung
Meinem Modell lag der Premium Textilgurt zur HF-Messung bei, der sich im Gegensatz zum Standard-Gummigurt etwas angenehmer trägt, wenngleich ich auch mit der einfachen Ausführung keine Probleme hatte. Aussetzer, Schwankungen oder Abweichungen bei der Hertzfreuenz konnte ich bislang nicht feststellen.

Software und Datenübertragung
Die Garmin eigene Software “Trainingscenter” hatte ich schon beim Forerunner 305 nicht im Einsatz. Statt dessen verwende ich zur Erfassung und Auswertung der Läufe rubiTrack am Mac. Die Alternative kostet schlappe 29 Euro und überzeugt durch Optik und Funktionsumfang.

Der Download der Daten findet bei der 310XT drahtlos statt. Hierfür liegt der Uhr ein USB-Stick für den PC bei, der die Signale der Uhr empfängt und die Daten optional auch gleich an den Web-Dienst Garmin Connect überträgt.

Großes Plus der Garmin-Geräte ist die Kompatibilität zum Apple-Betriebssystem. Macintosh-Benutzer können sich somit die Installation einer virtuellen Windows-Umgebung sparen.

Garmin Kundendienst und Service
Großes Lob sei an dieser Stelle dem Garmin Kundendienst ausgesprochen! Neben der extrem kurzen Reaktions- und Bearbeitungszeit wurden meine Anliegen stets äußerst kulant und unbürokratisch abgewickelt. Hier können sich viele andere Hersteller eine Scheibe abschneiden!

Kritik und Schwächen
Die 310XT wird von Garmin ausdrücklich als “für den Schwimmsport geeignetes Trainingstool für Triathleten” beworben. Im Wasser kann sie allerdings weder die Hertzfreuenz messen, noch die Position mittels GPS ermitteln. Da ich die Uhr ausschließlich zum Laufen benutze stört mich das nicht, der Marketingabteilung ist da aber wohl ein Fauxpas unterlaufen.

Laufbericht – Zeiler Waldmarathon

13. November 2011

Der Laufvirus greift um sich!
Inzwischen sind neben Oli und mir auch Stefan und Krischan vom Wettkampffieber erfasst und so ist das Team “Die Kaffeetanten” aka “Get Lost Tours” in Rekordgruppenstärke für die Zeiler Waldläufe (Marathon und Halbmarathon) gemeldet.

Vorbereitung
Oli und ich waren uns einig: Es soll ein softer Genusslauf zum Saisonende werden. Ein spezifisches Training stand bei mir im Vorfeld daher nicht auf dem Programm. Das Profil des Zeiler Waldmarathons ähnelt mit rund 800 Höhenmetern ohnehin meinen heimatlichen Trainingsstrecken in den Hügeln der Hersbrucker Schweiz.
Sub-4-Stunden sollte als Zielzeit also auf jeden Fall drin sein – Genusslauf hin oder her ;)

Auf nach Zeil
Marathon laufen heißt leider meistens auch früh aufstehen. Heute klingelt der Wecker um 6:30 Uhr! Ein erster Check der Außentemperatur: Minusgrade! Na prima!
Ich geb’s zu – ich bin Plaisir-Sportler! Dazu gehören Sonne und Wärme – beides sollen wir heute leider nicht bekommen. Dabei hat der Wetterbericht doch Temperaturen knapp unter 10 Grad und auch einige Sonnenstunden versprochen. Entsprechend umfassend ist die mitgeführte Klamottenauswahl: Softschell, Weste, Mütze, Handschuhe, Fleece – was soll ich bloß anziehen???

Gegen 9 stehen wir endlich am Hallenbad in Zeil, dem großen Treffpunkt mit der Ausgabe der Startunterlagen. Oli ist hier schon öfter gelaufen – kennt sich also aus. Der Rest des Teams hat sich entsprechend wenig Gedanken über den Ablauf vor dem Start gemacht und daher ist die Aufregung jetzt groß: Wo gibts die Unterlagen? Wo sind die Toiletten? Wo treffen wir uns? Wann gehts eigentlich los? Was für ein Stress ;)

Krischan und Stefan laufen den Halbmarathon um 11, Oli und ich müssen dagegen schon um 10 Uhr am Marathon-Start im Wald sein. Der Transfer in den “Laufpark Zeil” ist mit Shuttlebussen gut organisiert. Wir haben aber noch etwas Zeit und laufen gemütlich die 1-2 Kilometer zum Start.
Bis zu letzt wird die Kleidungsfrage diskutiert. Schließlich entscheiden wir uns aufgrund der erbärmlichen Temperaturen für die wärmeren Softshells. Handschuhe und Mütze sind bei rund 2 Grad obligatorisch.


Bergauf, bergab…
Gerade noch rechtzeitig denke ich an die Aktivierung des Lauf-GPS. Kaum sind die Satelliten gefunden und das GPS-Signal steht, fällt auch schon der Startschuss und rund 200 frierende Läufer nehmen die zwei Runden durch den herbstlichen Wald in Angriff. Krischan und Stefan sollen später ebenfalls hier Starten und vergessen wie ich, die Laufuhr anzuschalten. Leider reicht bei den Beiden die Zeit bis zum Start nicht mehr für die Lokalisierung der Satelliten, was neben reichlich Hektik auch einen unangenehmen Zeitverlust zur Folge hat. Nach dem Start ein Minütchen stehen zu bleiben, um auf die Bereitschaft der Laufuhr zu warten, zeugt freilich auch von – sagen wir mal echter Gelassenheit ;)

Der Kurs jedenfalls zeigt uns gleich am Anfang die Zähne. Zweieinhalb Kilometer lang ist der erste Anstieg. Kaum ist der erste Peak erreicht, verlassen wir den Wald und laufen über eine ausgesetzte Hochebene. Hier pfeift uns der eiskalte Wind um die Ohren und wir beglückwünschen uns mehrmals zur Klamottenwahl. Um uns herum dagegen laufen einige Mittstreiter in kurzer Hose und Shirtchen. Da friert es einen ja schon beim Hinsehen!

Bild “Streckenprofil” (42zwei.com)

Im Gegensatz zum Fichtelgebirgsmarathon, wo lange Up- und Downhills zu absolvieren waren, ist das Profil hier wesentlich welliger. So ist immer wieder Zeit, um die Muskeln etwas regenerieren zu lassen. Nach wenigen Kilometern ist klar, dass hier heute mehr drin ist, als die angepeilte Zeitmarke knapp unter vier Stunden.

Wir sind inzwischen ins Gespräch vertieft und so verfliegen die Kilometer. Socken und Gelriegel sind ebenso Thema wie Psychologie und Arbeitsalltag – die Läufer in unserer Nähe müssen verbal einiges ertragen :)
Schon am Start ist mir das bibbernde Mädel im Minirock aufgefallen, das jetzt schon seit einiger Zeit vor uns herläuft. Von ihr werden wir später noch als Kaffeetanten tituliert ;)

Bild “Team Kaffeetanten” (42zwei.com)

Nach flotten 1:46h ist die erste Runde dann auch schon vorbei. Oli “Die Rechenmaschine” versorgt mich indes laufend mit Hochrechnungen zur Zielzeit. So viel ist klar – die 3:45 werden wir wohl locker packen, falls wir von größeren Zwischenfällen verschont bleiben. Da die Halbmarathon- und Marathonstrecke sich auf einer rund 300 Meter langen Geraden überschneiden, wird parallel die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung mit Stefan und Krischan ermittelt. Und tatsächlich: Als hätten wir es geplant, kommen uns die Beiden entgegen und wir klatschen im Gegenverkehr kurz ab!

Unser Schnitt liegt konstant im Bereich von 5 min/km. Kein Wunder also, dass die Quasselpausen länger werden und die Oberschenkel inzwischen Steigungen und Downhills mit leichtem Ziehen quittieren. So lange ich von Krämpfen verschont bleibe ist das aber völlig im Rahmen und kein Grund zur Sorge.

An den Verpflegungsstationen, die alle 5 km eingerichtet sind, greifen wir regelmäßig zu den salzigen Crackern, um ausreichend Mineralien aufzunehmen. Außerdem gibt es reichlich Kuchen, Müsliriegel, Fruchtschnitten und Bananen in handlichen Portionen. Warmer Tee, Cola, Iso, alk.-freies Radler und Malzbier runden das Angebot ab. Ein Dank an die vielen Freiwilligen, die sich bei der Kälte um unser Wohl kümmern!

Bild “Verpflegung Oli” (42zwei.com)

Ein Marathon entscheidet sich bekanntlich im letzten Viertel. Für mich ist die 35km-Marke meist ein guter Indikator um den Ausgang des Laufs abzuschätzen. Heute fühle ich mich immer noch ziemlich fit – das motiviert zusätzlich! Orthopädisch läufts auch beim Oli rund – keine Spur von den Fußproblemen der letzten Zeit. Allerdings konnte er seit Juli nur wenige lange Läufe mit 30 Kilometern absolvieren, die für die Marathonvorbereitung so wichtig sind. Während mein kurzes Tief vom Anfang der zweiten Runde überstanden ist, heißt es für ihn jetzt beißen. Aber Oli’s mentale Stärke ist von vielen Ultraläufen zementiert und nach einem kurzem Einbruch zieht er wieder deutlich an und wir fliegen dem Ziel auf den letzten drei Kilometern mit einem 4er Schnitt (min/km) entgegen.

Zeiler Waldmarathon Finish-1

Die Zeiterfassung piepst bei 3:35:45! Das ist für mich nicht nur Platz 32 (von 200), sondern auch neue persönliche Bestzeit :o)
Oli kommt direkt nach mir ins Ziel und finished damit Langstreckenlauf Nr. 41 !!!

Team-Ergebnisse
Oli: 3:35:48
Stefan: 2:04:52 (HM)
Krischan: 2:30:25 (HM)

Fazit
Trotz Kälte und mangelnder Sonne ein Top-Lauf mit Freunden in familiärer Atmosphäre!
Super Organisation (Startunterlagen, Verpflegungsstellen, Bustransfer – alles hat wunderbar funktioniert)

Herbstimpressionen

9. November 2011