Der Laufvirus greift um sich!
Inzwischen sind neben Oli und mir auch Stefan und Krischan vom Wettkampffieber erfasst und so ist das Team “Die Kaffeetanten” aka “Get Lost Tours” in Rekordgruppenstärke für die Zeiler Waldläufe (Marathon und Halbmarathon) gemeldet.
Vorbereitung
Oli und ich waren uns einig: Es soll ein softer Genusslauf zum Saisonende werden. Ein spezifisches Training stand bei mir im Vorfeld daher nicht auf dem Programm. Das Profil des Zeiler Waldmarathons ähnelt mit rund 800 Höhenmetern ohnehin meinen heimatlichen Trainingsstrecken in den Hügeln der Hersbrucker Schweiz.
Sub-4-Stunden sollte als Zielzeit also auf jeden Fall drin sein – Genusslauf hin oder her ;)
Auf nach Zeil
Marathon laufen heißt leider meistens auch früh aufstehen. Heute klingelt der Wecker um 6:30 Uhr! Ein erster Check der Außentemperatur: Minusgrade! Na prima!
Ich geb’s zu – ich bin Plaisir-Sportler! Dazu gehören Sonne und Wärme – beides sollen wir heute leider nicht bekommen. Dabei hat der Wetterbericht doch Temperaturen knapp unter 10 Grad und auch einige Sonnenstunden versprochen. Entsprechend umfassend ist die mitgeführte Klamottenauswahl: Softschell, Weste, Mütze, Handschuhe, Fleece – was soll ich bloß anziehen???
Gegen 9 stehen wir endlich am Hallenbad in Zeil, dem großen Treffpunkt mit der Ausgabe der Startunterlagen. Oli ist hier schon öfter gelaufen – kennt sich also aus. Der Rest des Teams hat sich entsprechend wenig Gedanken über den Ablauf vor dem Start gemacht und daher ist die Aufregung jetzt groß: Wo gibts die Unterlagen? Wo sind die Toiletten? Wo treffen wir uns? Wann gehts eigentlich los? Was für ein Stress ;)
Krischan und Stefan laufen den Halbmarathon um 11, Oli und ich müssen dagegen schon um 10 Uhr am Marathon-Start im Wald sein. Der Transfer in den “Laufpark Zeil” ist mit Shuttlebussen gut organisiert. Wir haben aber noch etwas Zeit und laufen gemütlich die 1-2 Kilometer zum Start.
Bis zu letzt wird die Kleidungsfrage diskutiert. Schließlich entscheiden wir uns aufgrund der erbärmlichen Temperaturen für die wärmeren Softshells. Handschuhe und Mütze sind bei rund 2 Grad obligatorisch.
Bergauf, bergab…
Gerade noch rechtzeitig denke ich an die Aktivierung des Lauf-GPS. Kaum sind die Satelliten gefunden und das GPS-Signal steht, fällt auch schon der Startschuss und rund 200 frierende Läufer nehmen die zwei Runden durch den herbstlichen Wald in Angriff. Krischan und Stefan sollen später ebenfalls hier Starten und vergessen wie ich, die Laufuhr anzuschalten. Leider reicht bei den Beiden die Zeit bis zum Start nicht mehr für die Lokalisierung der Satelliten, was neben reichlich Hektik auch einen unangenehmen Zeitverlust zur Folge hat. Nach dem Start ein Minütchen stehen zu bleiben, um auf die Bereitschaft der Laufuhr zu warten, zeugt freilich auch von – sagen wir mal echter Gelassenheit ;)
Der Kurs jedenfalls zeigt uns gleich am Anfang die Zähne. Zweieinhalb Kilometer lang ist der erste Anstieg. Kaum ist der erste Peak erreicht, verlassen wir den Wald und laufen über eine ausgesetzte Hochebene. Hier pfeift uns der eiskalte Wind um die Ohren und wir beglückwünschen uns mehrmals zur Klamottenwahl. Um uns herum dagegen laufen einige Mittstreiter in kurzer Hose und Shirtchen. Da friert es einen ja schon beim Hinsehen!
Bild “Streckenprofil” (42zwei.com)
Im Gegensatz zum Fichtelgebirgsmarathon, wo lange Up- und Downhills zu absolvieren waren, ist das Profil hier wesentlich welliger. So ist immer wieder Zeit, um die Muskeln etwas regenerieren zu lassen. Nach wenigen Kilometern ist klar, dass hier heute mehr drin ist, als die angepeilte Zeitmarke knapp unter vier Stunden.
Wir sind inzwischen ins Gespräch vertieft und so verfliegen die Kilometer. Socken und Gelriegel sind ebenso Thema wie Psychologie und Arbeitsalltag – die Läufer in unserer Nähe müssen verbal einiges ertragen :)
Schon am Start ist mir das bibbernde Mädel im Minirock aufgefallen, das jetzt schon seit einiger Zeit vor uns herläuft. Von ihr werden wir später noch als Kaffeetanten tituliert ;)
Bild “Team Kaffeetanten” (42zwei.com)
Nach flotten 1:46h ist die erste Runde dann auch schon vorbei. Oli “Die Rechenmaschine” versorgt mich indes laufend mit Hochrechnungen zur Zielzeit. So viel ist klar – die 3:45 werden wir wohl locker packen, falls wir von größeren Zwischenfällen verschont bleiben. Da die Halbmarathon- und Marathonstrecke sich auf einer rund 300 Meter langen Geraden überschneiden, wird parallel die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung mit Stefan und Krischan ermittelt. Und tatsächlich: Als hätten wir es geplant, kommen uns die Beiden entgegen und wir klatschen im Gegenverkehr kurz ab!
Unser Schnitt liegt konstant im Bereich von 5 min/km. Kein Wunder also, dass die Quasselpausen länger werden und die Oberschenkel inzwischen Steigungen und Downhills mit leichtem Ziehen quittieren. So lange ich von Krämpfen verschont bleibe ist das aber völlig im Rahmen und kein Grund zur Sorge.
An den Verpflegungsstationen, die alle 5 km eingerichtet sind, greifen wir regelmäßig zu den salzigen Crackern, um ausreichend Mineralien aufzunehmen. Außerdem gibt es reichlich Kuchen, Müsliriegel, Fruchtschnitten und Bananen in handlichen Portionen. Warmer Tee, Cola, Iso, alk.-freies Radler und Malzbier runden das Angebot ab. Ein Dank an die vielen Freiwilligen, die sich bei der Kälte um unser Wohl kümmern!
Bild “Verpflegung Oli” (42zwei.com)
Ein Marathon entscheidet sich bekanntlich im letzten Viertel. Für mich ist die 35km-Marke meist ein guter Indikator um den Ausgang des Laufs abzuschätzen. Heute fühle ich mich immer noch ziemlich fit – das motiviert zusätzlich! Orthopädisch läufts auch beim Oli rund – keine Spur von den Fußproblemen der letzten Zeit. Allerdings konnte er seit Juli nur wenige lange Läufe mit 30 Kilometern absolvieren, die für die Marathonvorbereitung so wichtig sind. Während mein kurzes Tief vom Anfang der zweiten Runde überstanden ist, heißt es für ihn jetzt beißen. Aber Oli’s mentale Stärke ist von vielen Ultraläufen zementiert und nach einem kurzem Einbruch zieht er wieder deutlich an und wir fliegen dem Ziel auf den letzten drei Kilometern mit einem 4er Schnitt (min/km) entgegen.

Die Zeiterfassung piepst bei 3:35:45! Das ist für mich nicht nur Platz 32 (von 200), sondern auch neue persönliche Bestzeit :o)
Oli kommt direkt nach mir ins Ziel und finished damit Langstreckenlauf Nr. 41 !!!
Team-Ergebnisse
Oli: 3:35:48
Stefan: 2:04:52 (HM)
Krischan: 2:30:25 (HM)
Fazit
Trotz Kälte und mangelnder Sonne ein Top-Lauf mit Freunden in familiärer Atmosphäre!
Super Organisation (Startunterlagen, Verpflegungsstellen, Bustransfer – alles hat wunderbar funktioniert)